Der Traum ist, dass die Bewohner des Mubaya Dorfes ein selbstbestimmtes und eigenständiges Leben in Einklang mit der Natur und in Harmonie untereinander leben.

Ich denke, dass wir als Selbstversorger in unserem Dorf leben können. Wir können das benutzen, was uns zur Verfügung steht, das heisst, die Ressourcen, die uns umgeben. So können wir das Land, das uns gegeben wurde, bestmöglich nutzen. Wir können den Schaden, welcher der Natur angetan wurde, reparieren und wieder eine gesunde Umwelt herstellen, welche uns mit genügend gesunden Nahrungsmitteln versorgt. Zudem könnten wir sozusagen fast alles im Dorf erzeugen und abgekoppelt vom Versorgungsnetz leben („off-grid“). In dieser Art und Weise können die Dorfbewohner wieder Sinn im Dorfleben finden und müssten nicht in die Städte oder ins Ausland abwandern.
Ich denke, dass es unsere Aufgabe ist, für die Zukunft unserer Kinder zu sorgen und den kommenden Generationen zu ermöglichen, autark zu leben und Herr ihres eigenen sozialen, kulturellen und ökonomischen Lebens zu sein.
Ich denke, dass wir im Dorf zusammen arbeiten, gemeinsame Ziele haben und einander unterstützen können. Jede Person in dieser Dorfgemeinschaft sollte ihre spezielle Rolle spielen können und darin gestärkt, gesehen und gehört werden. Dorfbewohner sollten bei Entscheiden, die sie selbst und die Dorfgemeinschaft betreffen, offen mitsprechen können. Ihnen sollte Verantwortung für ihr Land und die Gemeinschaft übertragen werden. Dies wird Ihnen ein tiefes Gefühl der Zugehörigkeit sowie der Eigenverantwortung für ihre Leben geben.
Um diese Vision zu erreichen, können wir unsere Vorfahren als Beispiel heranziehen. Sie lebten autark und überlebten ohne die modernen Lebensmittel. Sie lebten länger und gesünder als die Leute von heute. Sie halfen einander zu überleben auf einfache und nachhaltige Weise, indem sie brauchten, was ihnen zur Verfügung stand, ohne die moderne Hektik Silber und Gold für Nahrungsmittel einzutauschen.
Dieser Traum deckt sich mit der Idee eines Ökodorfes, wie definiert vom „Global Ecovillage Network“ (GEN) als “Willensgemeinschaft, traditioneller oder städtischer Natur, welche in partizipatorischen Prozessen alle vier Dimensionen der Nachhaltigkeit (ökologisch, ökonomisch, sozial und kulturell) bewusst in die Wiederherstellung der gesellschaftlichen und natürlichen Umgebung integriert. Ökodörfer sind lebende Beispiel von Nachhaltigkeit. Sie stellen einen tatsächlichen und gehbaren Weg dar, die Verschlechterung unserer sozialen, ökologischen und spirituellen Umwelt anzugehen. Sie zeigen uns, wie wir im 21. Jahrhundert den Weg der Nachhaltigkeit beschreiten können1.”

Ich habe verschiedene Ökodörfer besucht, um zu sehen, wie diese ihren Traum leben von einer “lebhaften Gemeinschaft, die zusammen plant, wie sie sie sich in allen Dimensionen entwickeln will, sozial, ökonomisch (d.h. alles für die täglichen Notwendigkeiten zur Verfügung stellen), ökologisch (d.h. die Zyklen der Natur zu respektieren und die
Biodiversität zu schützen) und kulturell/spirituell (d.h. lokale Heilungspraktiken auszuüben oder die bereichernden lokalen kulturellen und artistischen Ausdrucksformen zu fördern).
Einer dieser Orte, die ich gesehen habe, ist Tamera in Portugal. Die Leute von Tamera waren erfolgreich im Umwandeln eines trockenen Ortes in eine wunderschöne grüne Umgebung und im Aufbauen einer Gemeinschaft von etwa 170 Personen. Sie leben völlig abgekoppelt vom Versorgungsnetz („off-grid“) und sind ein Ort für Erfinder, um neue Technologien auszuprobieren. Das Tamera Dorf hat seine Stärken in Friedensbildung, Konfliktmanagement, spiritueller Einheit und Frau-Mann Beziehungen.
In Äthiopien besuchte ich das utopische Dorf Awra Amba, welches 1970 von einem Bauer gegründet wurde, welcher die Gleichheit beider Geschlechter fördern wollte. Die meiste Arbeit wird gemeinschaftlich verrichtet, das Geld wieder im Dorf investiert und der Gewinn gleichmässig geteilt. Auf diese Weise hat das Dorf aus der Armut herausgefunden und jetzt – 40 Jahren nach seiner Gründung – sind Familieneinkommen, Alphabetisierungsgrad, Lebenserwartung und ökonomisches Wachstum weit über dem nationalen Durchschnitt.

Beide Ökodörfer haben gemeinsam, dass sie von einer oder wenigen Leuten initiiert wurden, die eine Idee verbreiteten und Leute fanden, welche diese Idee teilten. Sie fanden dann einen Ort, wo sie ihren Traum verwirklichen konnten. Das Mubaya Ökodorf hat jedoch eine ganz andere Ausgangslage, denn es existiert schon seit vielen Jahren als Dorfgemeinschaft. Die Herausforderung ist daher eine ganz andere, nämlich die Leute, die dort wohnen, zu überzeugen, die ökologische Art und Weise, wie ich sie vorlebe und vorschlage, zu übernehmen. Diese neue Lebensart ist den Leuten jedoch nicht unvertraut, da sie immer noch die Erinnerungen haben, wie unsere Väter, Mütter, Grossväter und Grossmütter mit dem Alltag zurechtkamen.
Ich hoffe, dass das Mubaya Dorf mit der existierenden Infrastruktur in ein Ökodorf umgewandelt werden kann. Dabei bin ich mir bewusst, dass ich offen sein muss für die Leute, die dort leben, für Ihre Bedürfnisse und ihre Visionen.
Der Wandel wird nach und nach geschehen. Bis 2020 möchte ich einen Vorzeigehof, ein Ausbildungszentrum, Wasserrückhaltvorrichtungen, Initiativen für die Beteiligung aller und ein Gasthaus errichten, welche erlauben das Dorf in ein Ökodorf zu verwandeln.
Gleichzeitig hoffe, ist dass das Mubaya Ökodorf ein lebendes Beispiel des Wandels zum einfachen Leben im ganzen Land wird und Leute an anderen Orten inspiriert, lokal aktiv zu werden.

Grundwerte
Das Mubaya Ökodorf soll durch die Leute, die dort leben, verändert werden. Es gibt keine politische Autorität, welche einen Dorfbewohner zwingt, etwas zu ändern. Nichtsdestoweniger möchte ich erwähnen, dass ich die Unterstützung des Dorfvorstehers – dem politischen Verantwortlichen unseres Dorfes – für einige Projekte gewinnen konnte.
Um die Veränderungen vorzunehmen, müssen wir einige Werte respektieren.
Dabei sind zentral:
– Respekt, Liebe und Vertrauen zu den anderen, so dass wir zusammen etwas aufbauen können und auf einander zählen können
– Ein Gefühl der Zusammengehörigkeit und die Sorge um die grösseren Lebensthemen als Gemeinschaft
– Vertrauen in die Natur, dass sie uns alles zur Verfügung stellt, was wir brauchen, und gleichzeitig Pflege der kostbaren Natur, damit sie auch die Basis für zukünftige Generationen sein kann .
Diese Werte sind nicht mehr im Vordergrund in unserem modernen Leben. Das heisst, dass wir sie wieder entdecken müssen, sie verbreiten und fördern müssen. Das wird einer der Kernaufgaben sein in der Umwandlung des existierenden Mubaya Dorfes in ein Ökodorf.

Die Dorfbewohner
Aktuell leben 300 Personen mit verschiedenen Hintergründen im Dorf. Einige leben ein traditionelles Leben in Hütten, andere haben moderne Einfamilienhäuser gebaut. Einige leben ständig im Dorf, andere kommen nur am Wochenende. Einige sind abhängig vom Geld von Familienmitgliedern im Ausland, einige haben Arbeit in der Stadt, andere sind traditionelle Bauern, welche die vom Staat gratis verteilten Düngemittel brauchen. Einige Leute haben eine Ausbildung, andere können kaum schreiben oder lesen. Einige sind arm, andere reich. Die Leute sind immer noch miteinander verwandt, auch wenn das Dorf durch den Einzug der Familien der eingeheirateten Frauen viel heterogener geworden ist.Unter den Leuten im Mubaya Dorf konnte ich zwei Personen finden, welche meine Ideen teilen, nämlich Cathrine Mubaya und Thomas Mubaya. Beide machten den Permakultur-Kurs und haben ein Permakultur Design Zertifikat.
Wir beginnen die Arbeit im Dorf mit mir als Projektdirektor, Cathrine als Projektmanagerin und Thomas als Projektkoordinator.
Wir möchten dann in einem zweiten Schritt AusbildnerInnen ausbilden, damit sie die Idee des Ökodorfes weiter verbreiten.
Dank meiner Freundin Muriel Beck Kadima in der Schweiz fand ich andere Leute, welche sich für das Projekt interessieren. Sie unterstützen uns mit einem Verein, in erster Linien mit finanziellen Beiträgen.

Herausforderungen
Viele Herausforderungen erwarten uns bei der Umwandlung des Mubaya Dorfes. Die wichtigsten sind:
1. Der Wassermangel und die Nahrungsmittelunsicherheit
2. die Mentalität der Dorfbewohner
3. die internationale Marktwirtschaft
4. finanzielle Unterstützung, um mit den wichtigsten Projekten zu beginnen

1. Der Klimawandel bewirkt Wassermangel, welcher wiederum der Grund von Nahrungsmittelunsicherheit ist. Die UNO erklärte die Regenperiode von 2015/16 als regionale Katastrophe mit der Gefahr von Hungersnöten in der ganzen Region. Das Land ist so trocken, dass auch der Grundwasserspiegel gesunken ist. Die einzige Regenperiode, normalerweise von November bis Februar, ist nicht mehr sicher und das Wetter ist unvorhersehbar. Ungewöhnlich schweren, aber kurzen Regenfällen folgen immer öfter Hitzeperioden, welche die Felder und Kulturen austrocknen. Zudem sind die Böden durch Jahre von Monokulturanbau ausgelaugt. Dazu kommen das Abholzen der Bäume und das Überweiden der Felder, so dass das Land noch stärker der Erosionsgefahr ausgesetzt ist und die Erde zusätzlich verarmt. Gemüse- und Nutzpflanzenanbau sind eine Notwendigkeit für uns. Es ist das dringendste Problem der Bevölkerung und wir wollen es als Erstes angehen. Wir sagen bei uns, “hungrige Bäuche brauchen keine Theorien, sondern verlangen Handlungen.”

2. Die Mentalitäten der Leute zu ändern und sie von Grundwerten eines selbstgetragenen und einfachen Lebens in einem kleinen Dorf zu überzeugen, ist eine Langzeitaufgabe. Aktuell sind viele Leute Individualisten, meist interessiert an einem modernen westlichen Lebensstil oder „Regierungsgeschenken“, und sie wollen in der Stadt leben. Materielle Dinge stellen für sie Reichtum und Glück dar und sie glauben an das “Manna vom Himmel”. Selbst aktiv werden, um ihre Situation zu ändern, ist nicht in den Köpfen verankert.

3. Der internationale Markt bestimmt die Marktpreise in Zimbabwe. Preise können schnell ändern und Leute können dann das Lebensnotwendigste nicht mehr kaufen. Zudem gibt es jährliche Regierungsprogramme, die gratis Dünger und andere landwirtschaftliche Produkte an die Leute verteilen. Das sind keine barmherzigen Taten sondern Methoden, um sie abhängig zu machen. Auch sind diese Düngemittel synthetisch und daher schädlich für die Pflanzen und sie zerstören den Boden. Sie helfen nicht den Boden zu erhalten. Die Leute mehr zu Selbstversorgern zu machen, ist eine Herausforderung, welche hilft unabhängiger vom Weltmarkt zu werden.

4. Schliesslich brauchen wir finanzielle Unterstützung, um das Dorf zu verändern. Ohne diese, würde es zu lange dauern, das Dorf zu verändern.

Vorgehen

Es soll zuerst  ein Permakultur-Vorzeigehof entstehen.
Wir glauben, dass Permakultur – zumindest bis zu einem gewissen Grad – die Antwort auf Klimaveränderung, Wassermangel und die Nahrungsmittelunsicherheit ist. Dan Hemenway definiert Permakultur wie folgt: “Permakultur versucht nachhaltige Lebensstile zu entwerfen basierend auf den Gegebenheiten, die einmalig sind für jeden Ort, und nach den Prinzipien, wie die Natur andere Spezien in ihr Ökosystem integriert. Während Schaffensprinzipien der Permakultur aus der achtsamen Beobachtung der Umgebung und der Ausschau nach vergleichbaren Prinzipien in der Natur entstehen, basieren die Permakultur-Strategien auf der Realität des 20. Jahrhunderts (Übersetzung U. Singenberger)”
Wir glauben an “learning by doing” und das Aufzeigen, wie Veränderung geschehen kann. Wir haben deshalb einen Hof,
ungefähr 9 Hektaren Land, als Modell für einen Vorzeigehof ausgewählt. Das gibt uns die Freiheit, auf die beste Art Gemüse- und Obstanbau, Tierhaltung und Wasserrückhaltemethoden zu experimentieren. So entwickeln wir uns zu einem späteren Ausbildungszentrum.
Auf diese Art werden die Dorfbewohner vertraut mit der Idee der Permakultur und haben einen Ort, wo sie Permakultur lernen und praktizieren können.
Wir wollen folgende Permakulturmethoden gebrauchen:
Kompostieren – Kompostierbare Toiletten – Gemüsefelder – Fruchtgärten – Mulchen (die biologische Art den Boden zu verbessern) – Wasserrückhaltung – Tierhaltung – Aufforstung – Fichteich – Biogasanlage – Öko-Gebäude – Sonnenenergie – Kräuterverarbeitung.
Auf diese Art und Weise wollen wir den Leuten zeigen, dass wir das gratis verteilte synthetische Düngemittel ersetzen können durch Mist, Erzeugnissen aus den Komposttoiletten und der Biogasanlage sowie Kompost und, dass wir gesunde biologische Nahrungsmittel produzieren sowie die Fruchtbarkeit des Bodens wieder herstellen können. Langsam wird das Beispiel sich ausbreiten und wird kopiert durch die anderen 50 Höfe.

Durch das Beispiel des erfolgreichen Vorführhofs wird das Interesse der Leute in Permakultur geweckt. Vielleicht wollen sie ein kleines Geschäft eröffnen, um Nahrungsmittel zu verarbeiten, oder eine andere Aktivität ausüben, welche ein ganzheitliches und selbstgetragenes Leben im Dorf fördern.
Wir werden verschiedene Workshops, Ausbildungen und Programme anbieten:
Wiederaufforstungsinitiative zusammen mit der Staatlichen Forstkommission – Kurse in handwerklichen Berufen (zum Beispiel weben) – Zugang zu einer Bibliothek – Workshops zu Wasserrückhaltmethoden – Schulung von AusbildnerInnnen – Kurse in Einkommensgenerierung auf kleiner und lokaler Basis – Kurse in nachhaltiger Energie (Biogasanlage, Solarenergie etc.) – Gemeinschaftsgarten auf der Basis von Permakultur, einschliesslich für Schulkinder, damit für sie davon gesunde Mahlzeiten zubereitet werden können – Lebensmittelverarbeitung.

Um die Aufmerksamkeit der Leute in Umweltfragen zu wecken, haben wir bereits im Jahre 2013 einen Workshop mit einem Experten von Togo organisiert, der zeigte, wie man Solaröfen und -trockner bauen und benützen kann. Dieses Pilotprojekt, genannt sun for food, bestärkte uns im Glauben, dass wir das Mubaya Dorf in ein Ökodorf umwandeln können.

Nationale Plattform für ökologische Fragen
Wir möchten eine Plattform und inspirierender Ort für Leute aus Zimbabwe – und darüber hinaus – werden. Leute sind eingeladen, mit uns das Dorfleben zu teilen. Sie können Praktika machen und an Seminaren teilnehmen. Internationale Experten könnten uns in unseren Bemühungen um Selbstversorgung und Wiedergutmachung an der Natur unterstützen.
Deshalb möchten wir:
– kulturelle Austausch-Programme organisieren – ein Gästehaus bauen – einen Laden starten – eine Bibliothek und Internet einrichten – einen Kindergarten/eine Schule aufbauen
Finanzielle Unabhängigkeit
Wir sind in der glücklichen Lage die Unterstützung des Fördervereins Mubaya Ökodorf zu haben. In 2016 konnte uns der Verein helfen, einige der dringendsten Projekte zu realisieren.
Wir versuchen jedoch soweit wie möglich die Projekte ohne äussere Hilfe zu realisieren. Wir möchten Einkommen generieren, indem wir unsere Ernte sowie unsere Tiere verkaufen, indem wir Einnahmen aus den Workshops generieren (obwohl einige Workshops für die Dorfbewohner gratis sind), indem wir verarbeitete Nahrungsmittel verkaufen und Einnahmen aus dem Gästehaus erzeugen. Wir hoffen, dass wir bis 2020 eine sichere finanzielle Grundlage geschaffen haben, um all die grösseren Investitionen selber zu tätigen, und dass wir den Unterhalt des Hofs und die Erneuerungen selber übernehmen können.

Unabhängigkeit von der Weltwirtschaft
In Zimbabwe und anderen afrikanischen Ländern sind die Leute sehr abhängig von der Weltwirtschaft. Preise schnellen manchmal sehr rapide in die Höhe und die Bevölkerung ist diesen Schwankungen völlig ausgeliefert. Die Schaffung eines Ökodorfes heisst auch, teilweise unabhängig von diesem Weltmarkt zu werden, da wir Nahrungsmittel und Energie für uns selber erzeugen. Das kann den Dorfbewohnern eine Sicherheit geben, die sie für einen langen Zeitraum nicht gehabt haben.

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